Montag, 29. Juli 2013

Das nie gelüftete Geheimnis

Es ist seltsam mit den Geheimnissen, die über die Jahrzehnte zur Mythenbildung beitragen. Manchmal sind sie nämlich in Wirklichkeit gar keine. Manchmal müsste man nur die richtigen Augenzeugen finden, die richtigen Texte zusammentragen ... und plötzlich jene unsichtbaren Linien erkennen, die Handlungen zusammenhalten. Und so muss ich mich nun selbst revidieren, muss vielen berühmteren Kollegen widersprechen: Was 1913 mit Nijinsky geschah, ist gar nicht wirklich ein Geheimnis!



Jene nie ganz gelüftete Auseinandersetzung zwischen Nijinsky und Diaghilew, jener angebliche Inkognito-Aufenthalt in Baden-Baden, die wundersame Wandlung des schwul lebenden Nijinsky zum Ehemann eines Groupies - das alles wird plötzlich nachvollziehbar, wenn man ein wenig auf die unbekannteren Protagonisten schaut, die Leute, die nicht berühmt genug sind, dass man sie in jedem Buch zitiert ... oder die einfach gegen die Giganten Nijinsky und Diaghilew den Platz nicht bekommen. Und wenn man vor allem die Buchhaltung des Unternehmens Ballets Russes studiert.

Ich will nicht angeben, schon gar nicht vorab. Aber ich glaube, ich weiß jetzt, wie es gewesen sein könnte. Ich sage bewusst nicht "war". Die Wahrheit werden wir nie herausfinden. Denn es gibt von diesem tragischen Wendepunkt-Sommer weder Film- noch Tonaufnahmen, sondern nur Erinnerungen Dritter, die diese sehr lange nach den Ereignissen zu Papier gebracht haben. Wie unverlässlich die Erinnerung von Zeitzeugen sein kann, ist bekannt. Man muss Aussagen gegeneinander abwägen, mit der bekannten Geschichte vergleichen. Und doch - alles läuft sehr logisch und folgerichtig auf verschiedene Entwicklungen zu.

Ich habe das Glück, keine Wissenschaftlerin zu sein, sondern als Autorin durchaus auch Fiktion bemühen zu dürfen. So schreibe ich im Moment an jenem nie überlieferten Dialog zwischen Nijinsky und Diaghilew. Ursprünglich als reine Fiktion geplant, bin ich nun selbst überrascht, wie die Wirklichkeit mir die besten Konflikte liefert, die verrücktesten Fallstricke einer Liebe zwischen zwei Männern und zur Kunst. Nein, mein Buch "Faszination Nijinsky" muss ich nicht umschreiben deshalb. Und was ich derzeit zu Papier bringe, wird - hoffentlich - live zu erleben sein. Falls dieses völlig verrückte Mammutprojekt zustande kommen sollte, könnte man tatsächlich erwägen, danach ein Essay über die Lösung des großen Rätsels von 1913 zu schreiben. Eigentlich ist es der ganz große Stoff, nach dem sich viele Romanciers sehnen, denn es geht um Leidenschft und Geld.

Freitag, 26. Juli 2013

Sommerfilm: Augenzeugin Marie Rambert

Marie Rambert arbeitete ursprünglich an der damals weithin berühmten Tanzschule von Emile Jaques-Dalcroze in Hellerau bei Dresden, wo man intensiv mit Eurythmie umging. Diaghilew engagierte sie, um Nijinsky bei seiner schwierigsten Choreografie beizustehen: Für Le Sacre von Strawinsky mussten die Tänzer zunächst all die klassischen Tanzschritte vergessen lernen. Marie Rambert tanzte selbst eines der Mädchen in der Aufführung - sie ist also eine der Augenzeuginnen, die besonders intensiv und nah Vaslav Nijinsky erlebt haben. Hier erzählt sie von ihm in seinen unterschiedlichen Rollen:

In einem anderen Video erzählt sie über den Aufruhr bei der Aufführung von Le Sacre, die Szene, die auch in meinem Buch "Faszination Nijinsky" vorkommt: Video 2 anschauen.
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