Montag, 19. Dezember 2011

Der Name der Rose

Was hat die Verfilmung von Umberto Ecos Bestseller "Der Name der Rose" mit Nijinsky zu tun? Man kann anhand dieses 1986 gedrehten Films hervorragend eine Vorstellung dafür bekommen, wie nah oder fern uns die Gegenwart Nijinskys ist.
Wer erinnert sich nicht an das unvergessliche Gesicht des blinden Jorge, des Bibliothekars, der Bücher geheim hält und ein Werk von Aristoteles sogar vergiftet!? Der Schauspieler, der den fanatischen Mörder so eindrücklich verkörperte, war zur Drehzeit 81 Jahre alt. Sein Name: Fjodor (Fjodorowitsch) Schaljapin. Bei Kennern der Ballets Russes müsste jetzt etwas klingeln ...

Jener Schauspieler Schaljapin ist nämlich das jüngste Kind des namensgleichen weltberühmten Sängers Fjodor (Iwanowitsch) Schaljapin gewesen. Und den hatte Sergej Diaghilew in Mussorgskys Oper "Boris Godunov" (Link mit historischer Tonaufnahme)1908 nach Paris gebracht - zu jener Zeit war der Bassist 35 Jahre alt. Es gibt in Bronislawa Nijinskas Autobiografie ein paar zauberhafte Passagen über ihn - die Ballerina hatte sich nämlich unsterblich in den Opernsänger verliebt - und er war schon vorher gut mit der Familie von Vaslav Nijinsky bekannt.

Auf den Namen Fjodor Schaljapin stieß ich übrigens auch in Unterlagen der russisch-orthodoxen Kirche in Baden-Baden. Aufgeregt forschte ich nach, ob es sich nun um den Sohn oder den Vater handelte. Das Ergebnis - mit einer wunderbaren Anekdote - werde ich in meinem nächsten Buch über russische Spuren in der Sommerresidenz Europas bringen. Jene Anekdote bekam ich selbst erzählt, als sei sie erst gestern passiert. So nah kann Geschichte auf einmal wirken - nah, wie wenn man jemandem in einem Film begegnet.

Faszination Nijinsky. Annäherung an einen Mythos - Buch von Petra van Cronenburg

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