Freitag, 24. Juni 2011

Jubelschrei von Paris bis Petersburg!

Äußerlich bin ich vollkommen still, weil noch fassungslos vor Glück. Innerlich schreie ich vor Freude, dass man es von Paris bis Petersburg hören könnte! Ein Luftpost-Päckchen, das einen abenteuerlichen Umweg in Frankreich genommen hat (wahrscheinlich Billigflieger), ist nach einer Woche Reise endlich da: der Aushänger des Nijinsky-Buchs. Das ist sozusagen der Probedruck ohne Bindung. (Fotos sind durch Klicken vergrößerbar)


Meine Aufgabe ist es, nun die Fahnen noch einmal sehr aufmerksam zu sichten und evtl. zu korrigieren. Anders als im normalen Verfahren muss ich Korrekturen allerdings direkt im Satz anbringen und eine neue Datei übertragen. Bin ich zufrieden, erteile ich feierlich das imprimatur - die Druckfreigabe. Und dann rollt die Maschinerie an. Der Druckstock wird gefertigt (heutzutage eine Datei) und das Buch wird bei Libri gemeldet. Bis es das Sortiment dann aufnimmt und online wie im Buchhandel bestellbar macht, dauert es ein bis zwei Wochen. Etwas schneller kann man wahrscheinlich im Verlag direkt bestellen. Und sobald es dort im Shop auftaucht, werde ich das Geheimnis des Titels lüften!

Im Folgenden ein paar Eindrücke. Ich muss mich für Farbqualität und Aufnahmequalität entschuldigen, ich fotografierte mit einer 40-Euro-Deppenkamera bei minütlich wechselnden Lichtverhältnissen. Außerdem sind die Fotos sehr stark komprimiert fürs Blog. Dadurch ergeben sich unnatürliche Farben und Unschärfen, die Bilder im Buch erscheinen gerastert oder geriffelt. Ich schwöre, das Original sieht einfach perfekt aus von der Druckqualität, das Papier ist leicht gelblich. Völlig überrascht bin ich von der Qualität des Farbdrucks innen, aber auch die Schrift macht einen guten Eindruck. Im Gegensatz zu manchen Billigverfahren sind die Druckfarben absolut wischfest und sie vereinigen sich so gut mit dem Papier, dass der PoD-Druck besser aussieht als der Offsetdruck bei vielen Taschenbüchern!

Ein dickes Danke geht an Ulrich Baum, der nicht nur das Cover gestaltet hat, sondern die teilweise in sehr schlechter Qualität vorliegenden historischen Aufnahmen so gut bearbeitet hat, dass man kaum glauben mag, wie viele Dreckflecke, Knicke, Schnitte und verblasste Stellen die Originale hatten.
Was die Technik betrifft, muss ich den Verlag loben. "International Klein Blue" (man gönnt sich ja sonst nichts) ist im Druckgeschäft eine schlimme Farbe. Aus der Herstellung kamen, ohne dass ich das erfragt hätte, gleich drei Nuancenvorschläge - und wenn ich die nicht mag, kann ich noch eine Datei einschicken. Was dringend zu ändern wäre, ist das grausame Grün unter dem Verlagsnamen (nicht von uns) - aber dazu sind Aushänger ja da. Im Moment wirkt das Cover auf dem Foto hier noch etwas seltsam, weil die grafische Hauptsache abgedeckt ist - also nicht erschrecken.

Und für die Typographen und Layouter unter meinen Leserinnen und Lesern: Ich selbst sehe natürlich sofort, was man hätte besser machen können - für meine Wünsche fehlt mir jedoch noch das Profiprogramm (oder der Profi). Layout und Satz dieses Buchs habe ich schlicht mit Word gemacht - eine elende Pfriemelei, aber es ist erstaunlich, wozu man dieses Programm in seinen Innereien überlisten kann...
Gesetzt ist das Buch in der Dante, die Einzelseiten mit Zitat (s.o.) in Opera Lyrics Smooth, einer Schrift, die Originalprogrammheften aus der Zeit Nijinskys nachempfunden wurde.

Welches Blau hätten Sie denn gerne? Die Cover-Bögen
Ob dieser Text als Scharfmacher reicht?

Eine Farbtafel gibt es am Anfang des Buchs

Hoffentlich stimmen die Seitenzahlen ... die Endkorrektur wartet.
Es war einmal...

Ulrich Baum hat die historischen Fotos wirklich äußerst druckfein bearbeitet - Complimenti!

Eine Art "Daumenkino" gibt's im Buch auch - statt Film.

Der Teil mit den Interviews. Das verschwommene bis unregelmäßige Schriftbild ist der Kamera und der Komprimierung geschuldet, nicht dem Original!
So - ich brauche jetzt erst einmal sehr viel Zeit, um das alles zu begreifen und zu verinnerlichen, dass zweieinhalb Jahre harter Arbeit, unzähliger Katastrophen und großer Leidenschaft tatsächlich in ein Buch münden...

Kommentare:

Jan hat gesagt…

Na, endlich!
Endlich hat die Warterei ein Ende.
Und was man hier so sieht, da kann ich nur sagen: Sieht fabelhaft aus.
Dicken Glückwunsch!

PvC hat gesagt…

Ich warte hier fieberhaft auf Kommentare wie "mach die Schrift schnell noch anders", "wie grausam ist das denn geschrieben" oder "würx, blau!" - drum erleichtert mich dein Kommentar ein wenig...

Das Päckchen kam aus Genevilliers, was eigentlich ein Hafen ist. ;-)
Wahrscheinlich nahm es die Route Münster, Frankfurt Airport, Flughafen Paris, Töfftöff nach Genevilliers, Töfftöff zum Flughafen Paris, Flughafen Entzheim und Pferdebote zu mir. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass ich mit dem Auto nur 40 Minuten zum nächsten Abflug nach Sankt Petersburg fahre. Die globale Welt endet heutzutage offensichtlich vor den Toren von Paris...

PvC hat gesagt…

Jemand hat mich gefragt, warum mein Inhaltsverzeichnis eine so seltsame Einteilung habe: erstes Buch, zweites Heft, drittes Heft. Das interessiert vielleicht auch andere - es ist eine Hommage an Nijinskys eigene Tagebücher, die er so bezeichnet hat und aus denen die Zitate für die Buchteile stammen.

Henny Hidden hat gesagt…

Glückwunsch, ich finde das mit den alten Bildern sehr schön. Ich habe den Nijinsky nur kurz im Fernsehen gesehen, fand ihn damals faszinierend, wenn es durch dein Buch gelingt, dem Ausnahmekünstler näher zu kommen, woran ich nicht zweifle, bekommst du alle Sträuße der Welt.

LG
Henny

PvC hat gesagt…

Nur nicht übertreiben ;-)
Das ist die größte Angst bei einem solchen Projekt - alle möglichen tollen Hechte haben Spielfilme und Dokus gedreht, ein Jahrhundert lang hat immer mal wieder jemand über ihn geschrieben, der wenigstens eine oder mehrere Personen aus seinem Umfeld persönlich kannte oder oder...
Und dann stellt man sich ohne Doktorhut und Ballettschuhe auf die Bühne und sagt frech: Das mach ich jetzt auch, ich entwickle etwas "Neues", etwas Eigenes.

Mein einziger Vorteil war, dass es meines Wissens eine deutsche Uraufführung ist. Alle Bücher über Nijinsky sind im Original englisch, französisch, russisch ... und auch meist älter.

Zu den Fotos gibt's eine Anekdote:
Beim Rechteabklären fielen einige sehr schöne Fotos flach, weil sie zu teuer geworden wären - deren Fotografen waren noch keine 70 Jahre tot. Bei dieser Recherche fand ich überhaupt auffallend viele berühmte Fotografen, die schon damals locker an die 100 wurden. Irgendetwas an diesem Beruf musste zu jener Zeit sehr gesund gewesen sein...

Schöne Grüße, Petra

Rabenblut hat gesagt…

Liebe Petra,

na endlich! :))
Ich freue mich sehr für Dich! Das Cover gefällt mir übrigens sehr gut - erinnert mich an Matisse. (Passt ja auch zeitlich.)
Habe heute in der Kunstbuchhandlung ein Buch mit Nijinsky-Fotos entdeckt und natürlich an Dich gedacht. Hat`s geklingelt?;)
Alles Liebe und toi, toi, toi für die letzten Schritte!
Nikola

PvC hat gesagt…

Liebe Nikola,
meine Ohren klingeln derzeit ständig, allerdings von zu viel Arbeit ;-) Erinnerst du dich zufällig noch an den Titel des Buchs?
Herzliche Grüße,
Petra - heute bei der End-Fahnenkorrektur

Rabenblut hat gesagt…

Oh ja, einen link dazu findest du hier:
http://www.artfilms.com.au/Detail.aspx?ItemID=2157

Falls Du Interesse daran hast, es aber nicht mehr käuflich ist, dann könnte ich es Dir gerne besorgen. (Buchhandlung im Kunstmuseum Bonn, Museumsmeile - sie haben da ziemlich viele alte Schinken, herrlich!)
Ich habe es nur überflogen und denke es sind ausschließlich Bilder von diesem speziellen Ballett: 'L`apres midi d'un faun' von 1912.

Liebe Grüße
Nikola

PvC hat gesagt…

Liebe Nikola,
danke für das Angebot - ich kann das Buch Nijinsky-Fans nur empfehlen, der damals berühmte Fotograf Adolphe de Meyer hat Nijinsky in seiner Rolle als Faun (und natürlich die Nymphen auch) in atmosphärisch ganz dichten Aufnahmen aufgefangen.

Ich selbst habe zwar nicht das Buch, aber alle Aufnahmen. Über Monate habe ich sie immer wieder betrachtet, auch mit der Lupe - bis Nijinsky begann, sich zu bewegen. Das Ballett ist Grundlage meines ersten Kapitels - nur leider ist keins dieser Fotos in meinem Buch abgebildet. A. de Meyer ist nicht rechtefrei und sündhaft teuer ...

Ich brauche es also nicht, danke, aber vielleicht fahren jetzt die Nijinsky-Fans ganz schnell nach Bonn :-)

Herzliche Grüße,
Petra, die jetzt die Fahnenkorrektur in den Satz einträgt, schändlich habe ich doch tatsächlich beim "L'après-midi d'un faune" öfter den Bindestrich vergessen!

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