Montag, 2. Mai 2011

Schwein gehabt

Wenn ein Thema in der Luft liegt, ist die Gefahr groß, dass mehrere Menschen auf der Welt auf ähnliche Ideen kommen. Diese Angst vor dem Risiko bewegte in Sachen Nijinsky deutschsprachige Verlage massiv - viele verzichteten deshalb lieber ganz darauf, überhaupt ein Buch zum Thema zu verlegen. So kommt es auch, dass Romola Nijinskys Biografie ihres Mannes und die Tagebücher von Nijinsky im Ausland weiter zu haben sind und inzwischen auch in jeder Piratenbörse - der sonst so backlistfreudige Suhrkamp-Insel-Verlag jedoch auch zum 100jährigen Jubiläum der Ballets Russes seine beiden Taschenbücher nicht wieder aufgelegt hat. Von der Hardcoverversion der Tagebücher im Berlin Verlag ganz zu schweigen.

In den Niederlanden hat derweil Arthur Japin mit seinem Nijinsky-Roman großen Erfolg - und sein Verlag ist gar nicht dumm. Der hat nicht nur die Tagebücher in der niederländischen Übersetzung wieder zugänglich gemacht, sondern bietet sie auch im Geschenkpaket zum Roman an.

Als ich das Cover sah, bin ich erst einmal tüchtig erschrocken. Ideen kreisen wohl öfter einmal virulent durch die Welt. Es ähnelt unwahrscheinlich stark dem allerersten Entwurf für mein Nijinsky-Cover. Zum Glück haben wir das in einer sehr frühen Phase verworfen! Natürlich bibbere ich, dass nicht noch mehr solche zufälligen und unfreiwilligen "Doppler" auftauchen:

Ein früher, verworfener Entwurf für mein Nijinsky-Buch

  
Die niederländische Ausgabe von Nijinskys Tagebüchern

Kommentare:

Frank Peters hat gesagt…

Da kommt die Frage auf, zumindest fuer mich, wie man sich in diesem Informationszeitalter -und dschungel sich davor Schuetzen kann, wenn man jemandem "auf die Fuesse" tritt, oder es einem selber passiert - auch wenn es ein ehrlicher Fehler gewesen sein mag. Wann hoert wieviel Recherche eigentlich auf?

PvC hat gesagt…

Man ist natürlich nie davor gefeit, wenn zwei Leute zufällig etwa zeitgleich das Gleiche denken und wird das im Ernstfall auch irgendwie beweisen können. Peinlich wird es, wenn jemand etwas länger Existierendes einfach abkupfern würde - der käme arg in Beweisnot. Außerdem: Ideen selbst sind nicht geschützt.

In diesem Fall war aber die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Ähnlichkeiten kommt, extrem groß. Das Foto von Nijinsky in Sheherazade ist nämlich so ziemlich das einzige, das absolut rechtefrei ist UND obendrein kostenlos in hoher Auflösung zu haben ist. Hier haben also zwei Verlage schlicht Geld sparen wollen ;-) Und bei der Armhaltung kann man dann so viel gar nicht mit der Figur anstellen.

Genau aus diesem Grund der ewig gleichen Fotos von Nijinsky haben wir uns übrigens gegen ein Cover mit Foto entschieden. Und das ist deshalb so hochgeheim bis zur Meldung bei libri, weil erst dann der Titel geschützt ist.

Inzwischen kopieren aber viele Verlage auch ganz dreist Coverideen von Erfolgsbüchern. Die weißen Krimicover mit viel Blutsoße, das leichtere literarische Buch mit botanisch exakter Blume - solche Bücher sind kaum noch als Einzelwerke erkennbar. Manchmal spart man nicht nur am Foto, sondern auch noch am Grafiker...

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