Mittwoch, 2. März 2011

Seltene Fotos

Im Moment bin ich dabei, Fotos für das Nijinsky-Buch auszuwählen und die Abdruckrechte zu klären und gegebenenfalls zu erwerben. Das ist nicht immer einfach, weil die Angaben in vielen alten Büchern schlampig gemacht sind und die Quellen dadurch nicht so leicht zu finden sind. So existiert etwa eine Aufnahme von Nijinsky in der Rolle des Petruschka, die laut Angabe der New York Public Library von einem berühmten Fotografen namens Herman Mishkin stammt und auch dessen Namensaufschrift trägt. Genau das gleiche Foto wird dagegen in der Bibliothèque Nationale von Paris als Aufnahme von Auguste Bert geführt - diesmal mit der Originalsignatur eines gewissen L. Roosen, der den Fundus von Bert nach dessen Tod erworben hatte.

Für jemanden, der es mit dem Urheberrecht etwas genauer nimmt als ein gewisser deutscher Exminister, macht der Name den großen Unterschied aus: Bert, der 1856 geboren wurde, ist schon lange genug tot - das Foto also rechtefrei. Mishkin dagegen starb erst 1948 und das ist noch keine 70 Jahre her. Zwar ließen sich auch die Abdruckrechte für Mishkin erwerben, doch würde dies für eine kleine Produktion wie die meine schlicht zu teuer. Erst der Hinweis über die Erbveräußerung in der Pariser Nationalbibliothek lässt es als ziemlich sicher erscheinen, dass die Aufschrift in New York wohl fehlerhaft ist und wahrscheinlich nicht einmal eine Originalsignatur, sondern die Notiz eines Bibliothekmitarbeiters.

Solchen Kuriositäten begegnet man bei wertvollen historischen Aufnahmen öfter. Denn nicht selten haben die Besitzer der Fotos ein wenig getrickst, wenn sie ihren Bestand in Auktionshäuser gaben. Ein Originalfoto ist nicht nur wegen der Sujets begehrt, mit der Berühmtheit des Fotografen steigt sein Wert außerdem. Die Klärung der Tatsachen wird dann manchmal zur Detektivarbeit, wenn man selbst bei Bibliotheksangaben Acht geben muss.

Dafür entdecke ich aber auch immer wieder Bilderschätze, die ich selbst nicht kannte. Etwa in der amerikanischen Library of Congress, die überhaupt eine Schatzkiste für globale historische Recherchen aller Art ist. Ich erinnere mich, wie ich einmal einem kleineren französischen Museum dort eine Online-Reprint-Ausgabe eines für das Museum absolut unverzichtbaren Werks aus dem frühen 19. Jahrhundert beschaffen konnte. In Frankreich wären dafür ein paar tausend Euro zu löhnen gewesen sein. Aber zufällig hatte der französische Autor auch in den USA sein Buch verkauft und dadurch blieb es der Nachwelt erhalten, kostenlos und global zugänglich.

Obwohl ich den Eindruck habe, schon fast alle Fotos in Sachen Ballets Russes zu kennen, bin ich nun auf eines gestoßen, das eine Schiffszwischenlandung auf der legendären Südamerika-Tournee 1913 zeigt. Fans erinnern sich: Es handelt sich um die schicksalhafte Überfahrt, nach der Nijinsky Knall auf Fall per Telegramm seinen Lebenspartner Sergej Diaghilew verließ, um eine Frau zu heiraten. Imposant sind die Gepäckboote im Hintergrund - und ich frage mich natürlich, unter welchem Hut sich Nijinsky verbergen mag. Gut hinschauen: Er steht genau neben Romola und ist an der Kopfform und dem Ohr gut zu erkennen.
Der Klick auf das Foto führt zur Ursprungsquelle in der Library of Congress, wo man sich das gesamte Bild im Großformat ansehen kann. Für mein Buch würde ich es deshalb nicht verwenden, weil nicht feststeht, wer der Fotograf war und wo darum die Rechte liegen.

The Ballets Russes Tours to South America, 1913
Ankunft der Truppe der Ballets Russes 1913 in Madeira

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