Samstag, 20. November 2010

Nijinskys "spinnerte Ideen"

Nijinskys Frau, das liest man deutlich aus ihrer doch so vorsichtig und einst sogar zensiert verfassten Biografie heraus, fand einige Ideen ihres Mannes schlicht so spinnert, dass sie nicht mehr zum Aushalten gewesen seien. Der nämlich weigerte sich plötzlich, Fleisch zu essen, was man seinem "Wahn" zuschrieb - ohne zu beachten, dass er nicht der einzige bekehrte Vegetarier seiner Zeit war. Obendrein verehrte Nijinsky auch noch seinen Landsmann Tolstoi derart, dass er sich in den USA drei russischen Tolstoi-Anhängern anschloss. Dies ging Romola dann doch zu weit. Sie drohte ihrem Mann.

Iris Radisch schreibt in einem Artikel in der ZEIT über die unbekannte Seite Lew Tolstois als "christlichem Agraranarchisten". Ein Artikel, den man lesen sollte, wenn man verstehen möchte, warum Nijinsky eines Tages das Leben in Glamour und Weltruhm so satt hatte und sich nur noch nach echter Mitmenschlichkeit sehnte. Tolstoi wird nach hundert Jahren endlich auch aus diesem Blickwinkel neu bewertet. Es wird Zeit, dass man auch einige "verrückte" Ideen Nijinskys endlich richtig in diesen Zeitkontext einordnet. Interessantes käme zu Tage: Wie Tolstoi handelte Nijinsky aus einer Zerrissenheit heraus und musste an den Widersprüchen der hehren Lebensplanung scheitern...

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