Montag, 25. Oktober 2010

Strawinsky: Rhythm is it!

Arte einschalten: Ein alter Skandal wird zur neuen Überraschung. Kaum hundert Jahre sind vergangen, seit Nijinsky mit seiner (zweiten) Choreografie für Igor Strawinskys "Le sacre du printemps" nicht nur für Entsetzen unter seinen Tänzern gesorgt hat, sondern für einen der größten Theaterskandale der Geschichte überhaupt. Die berühmte Ida Rubinstein weigerte sich, die Hauptrolle zu tanzen, weil sie sich nicht verrenken wollte. Strawinskys Musik galt als Lärmbelästigung. Und die Handgreiflichkeiten im Publikum setzten sich derart kriegerisch in der fPariser Presse fort, dass manche Zeitgenossen die französisch-russischen Beziehungen gefährdet sahen. Auch wenn wir heute einen aufmerksamen Blick brauchen, um würdigen zu können, wie avantgardistisch und gewagt Nijinskys Choreografie, Strawinskys Musik und die Kostüme samt Bühnenbild von Nicholas Roerich in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gewesen sein mussten - dieses Ballett ist zeitlos.

Im Jahr 2003 sorgten Sir Simon Rattle und der Choreograf  Royston Maldoom mit dem gleichen Stück für großes Erstaunen. Sie wollten Le Sacre mit Laien aufführen und zwar nicht mit irgendwelchen. Maldoom hatte es bereits mit äthiopischen Straßenkindern und englischen jugendlichen Strafgefangenen inszeniert. Jetzt war das Projekt mit sogenannten Problemschülern geplant - und zwar aus fünfundzwanzig Nationen. Ein Paradebeispiel für die Macht der Kreativität, des Tanzes und der Musik. Ein wichtiges Dokument dafür, was Förderung bewirken kann und dass "Multikulti" noch lange nicht begraben werden muss.
Filmisch begleitet haben das Projekt Thomas Grube und Enique Sanchez Lansch.

Der preisgekrönte Dokumentarfilm aus dem Jahr 2004 wird am Do., den 28.10.2010 um 21:50 Uhr auf ARTE gezeigt. Er ist auch als DVD erhältlich.

1 Kommentar:

Frauke Ehlers hat gesagt…

toller Film - unbedingt angucken!

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